Das Neueste im Bund Naturschutz Pegnitz

Francois Apicella aus unserer Partnerstadt Guyancourt leitet den dortigen BN. Es ist der Verein ASEM (Association Pour la Sauvegarde des Étangs de la Minière = Verband zum Erhalt der Miniere-Teiche), die sich der Rettung der Natur verschrieben hat. Diese vier idyllischen Teiche sind gesetzlich geschützt. Sie liegen nah beim Schloßpark von Versailles. ASEM ist nun auch offiziell im Landkreis anerkannt. Als Francois diese Nachricht erhielt, schrieb er uns: "Champagne!" So froh war er darüber. Trotzdem kämpft ASEM immer mit den Behörden: "Es ist ein Albtraum, wenn du hier in Guyancourt etwas machen willst."

Francois: "Die Natur hat es gerade schwer in Guyancourt. Weil wir zur neuen 'großen Stadt' des Kreises Saint-Quentin-en-Yvelines gehören, das in die Projekte von Groß-Paris integriert werden will. Guyancourt will einen eigenen Bahnhof, neue Wohngebiete, mehr Bevölkerung - alles, um Finanziers anzuziehen, Aktivitäten, Geschäfte und Geld, Geld. Guyancourt liegt am Rand von Paris, das ist das Hauptproblem. Die Stadtvertreter haben keinen Sinn für Naturschutz und helfen uns nicht."

ASEM hat viel zu tun. Denn Guyancourt, das 1967 nur 1400 Einwohner hatte, hat heute 30 000. Innerhalb von 26 Jahren verschwanden 68 % des Ackerlandes. Jetzt hat man vor: Ein neues Ibis-Hotel mit 100 Zimmern; einen Autowerkstattbereich mit 5 Hektar; 500 neue Wohnungen im nächsten Jahr; dazu Schule, Klinik und Tourismuszentrum; weiter den Bahnhof mit 1300 Wohnungen, 200 000 m² Geschäften und einer neuen U-Bahnstation, der Linie 18. Sie soll 2030 fertig sein.

Aber Francois befürchtet, dass sie schon 2024 da ist, weil dann die Olympischen Spiele nach Paris kommen - und etliche Sportarten in Guyancourt ihre Wettkämpfe haben. Diese U-Bahn bekommt Stationen und breit betonierte Umfelder. Deshalb wehrt sich ASEM so dagegen.

Termine 2017

Filmabend mit Georg Bock, preisgekrönter Naturfilmer aus Bronn, Dienstag, 7. November, Ratsstube, 19.30 Uhr.

"Japans Gärten - meine schönste Reise überhaupt", Dienstag, 14. November, Ratsstube, 19.30 Uhr, Gisela Leinberger berichtet aus Fernost

Wir zu uns

Der Bund Naturschutz Pegnitz hat 75 Mitglieder. Aktiv ist aber nur ein kleiner Kreis um Thomas Knauber und Ralf Richter. Thomas Knauber wurde vor Jahren zum Vorsitz zwangsverpflichtet, weil die Gruppe zu ersterben drohte.

Er fand aber später bei einem BN-Kindernachmittag in Ralf Richter einen Vater, der aus Gefrees stammt und dort schon mit 18 Jahren stark für den BN aktiv war. Mit dem Umzug nach Pegnitz hatte er zwar eine BN-Pause. aber inzwischen leitet er begeistert die alljährliche Kröten-Sammelaktion im März und ist unser eiserner Kassier. Eisern heisst, er rückt kaum Geld heraus.

Zweiter Vorsitzender ist ganz frisch Jörg Weinreich. Er leitet die Stadtücherei in Bayreuth, hat deshalb wenig Zeit und ist trotzdem in Notfällen immer da.

Thomas Knauber war 30 Jahre lang Redakteur in Pegnitz und ist seit Neuestem in Altersteilzeit. Aber sie brachte ihm nicht den erhofften Sofa-Zustand. Er kurvt immer noch wie wild herum, um seine Jobs zu erledigen:
Beim "Gnadenhof für Tiere" und im Verein "Kinder von Nepal".

Ab und zu erscheint eine "Naturpost". Sie berichtete zuletzt von unseren Ausflügen zu den Stadtwerken in Nürnberg und zum Öko-Bauernhof von Hans Klischewsky in Hartenstein.

Kleine Notizen

Machen Sie mit bei unseren Kröten-Sammelaktionen im Frühjahr. Ralf Richter lenkt das alles: (09241) 72 46 39. Innerhalb von vier Wochen müssen Sie dann einmal in der Woche (am Morgen oder Abend) zu Krötenzäunen fahren und Kröten über die Strasse tragen, die in Fangeimer entlang eines grünen Zauns gefallen sind. Diese Zäune stehen im Veldensteiner Forst und vor Körbeldorf, bei der Autobahn. In Bronn gibt es auch einen Zaun; aber er wird gut von Marina und Maximilian betreut.

Endlich aufwachen, kurz vor dem Knall

Bernd Rothammel sagte einen guten Satz beim Klimaschutz-Symposion des Landkreises anfang Oktober: „Es ist so, als ob wir in einem vollen Auto sitzen und auf eine Wand zurasen. Aber anstatt zu bremsen, diskutieren wir, welche Musik im Radio laufen soll.“

Der Leiter des Bayreuther Klimaschutz-Managements bekam dazu Beifall von Städteplaner Professor Manfred Miosga, dem ersten Referenten der Tagung. Den Dieselfeinstaub senken wir, klagte Miosga, indem wir Dieselfahrzeuge rausnehmen, aber dafür pushen wir jetzt den Verkauf von SUVs, den kleinen, auch Staub bringenden Geländewagen. Wir beachten nicht, dass das Klima von 1880 bis 2015 um ein Grad wärmer wurde, und dass wir nur noch 200 Gigatonnen CO² ausstoßen dürfen, wenn es künftig bei 1,5 Grad zusätzlicher Wärme bleiben soll.

Er verwies auf den Soziologen Karl Polanyi, der das Buch The great Transformation schrieb und forderte: Wir müssen alles verändern für mehr Nachhaltigkeit (d. h., dass es auch noch unseren Enkeln gut geht) und für das Klima. Die Politik muss dafür tiefgründig umgestaltet werden. Miosga: „Wie bisher geht es nicht weiter. Aber keiner macht was.“

Er zitierte auch das Buch Transformation Wissenschaft von Uwe Schneidewind und Mandy Singer-Brodowski. Dort heißt es: Die Wissenschaft darf nicht länger eine abgeschiedene Künstlerwerkstatt sein. Sie muss außen zum Motor einer Veränderung zum Guten werden.

Miosga versucht das selbst: Netzwerke bilden, anschieben. Darunter leidet aber seine Forschungsarbeit. Er kann weniger publizieren und sein Ruf in der Wissenschaft sinkt. Ihm ist das aber egal – er ist schon Professor, er braucht keine Karriere. Doch Studenten können sich nicht wie er in die Politik werfen, weil sie ihre Zeit für die Forschung brauchen, fürs Publizieren, für ihr Fortkommen.

Vorbildlich arbeitet schon die „Hochschule für nachhaltige Entwicklung“ in Eberswalde. Sie schaut voraus, so Miosga. An der Bayreuther Uni begann man ähnlich mit einem „green campus“ und mit „Third Mission“: „Das sind schon Nadelstiche. Wir verändern von unten nach oben. Wir haben Netzwerke. Wir probieren was.“ Auch sein www.forum1punkt5.de gehört dazu.

Lastenrad mit E-Motor

Vor dem Eingang zum Symposion parkte auffällig ein E-Lastenbike, das Urban-iBullit. 2009 gab ein Berliner Kurierdienst den Anstoß für diese Entwicklung zweier Dänen. Das iBullitt transportiert 70 Kilo in einer Transportkiste vor dem Lenker und hat eine Reichweite von 100 Kilometern. Ein iBullitt schaffte es in Berlin, auf 25 000 Kilometern rund elf Tonnen Ladung zu transportieren. Scheibenbremsen, Daumengas, USB- und 12 Volt- Anschluss sind inklusive. Die Transportkiste kann gleichzeitig als Werbefläche vermietet werden. Ein iBullitt kostet 3850 Euro.

Vergiftet vom Plastik

Wahrscheinlich ist er der Schwarm alternativer Frauen, dieser Professor Christian Laforsch. Mit seinem Aussehen wie ein junger Old Shatterhand, mit Pferdeschwanz, stetem Lächeln und bayerischem Touch in der Stimme, erläuterte der Experte für „Mikroplastik in Süßwasser“ die Gefahren unserer Kunststoffwelt.

Stellte Deutschland im Jahr 1950 noch 1,7 Tonnen Plastik her, sind es heute 320 Millionen Tonnen. 40 % davon sind Verpackungen. 32 % landet im Müll, 27 Millionen Tonnen aber in der Umwelt. Wann verrottet das? Einige sagen: In 500 Jahren. Laforsch sagt: Nie.

12 Millionen Tonnen Plastik landen jedes Jahr im Meer. Das sind 5 080 000 000 volle Gelbe Säcke. Aber den Plastikteppich im Meer, die Plastikinseln, gibt es nicht. Die Fotos davon stammen aus Flussdeltas. Trotzdem: Im Meer dümpeln 1,5 kg Plastik je Quadratkilometer. Die Masse an Kunststoffen sinkt im Kleinformat auf den Boden der Ozeane. Zum Beispiel ist der Grönlandgraben, 6000 m tief, stark betroffen.

Auch Strände überall auf der Welt, ohne Ausnahme, sind mit Plastikabrieb versetzt. Sichtbar ist er extrem in Hawaii auf dem „plasticbeach“. Jedes rundgescheuerte Plastikteil sieht aus wie ein Stein und läuft fachlich unter Plastiglomerat.

Christian Laforsch wies darauf hin, dass Mikroplastik in Kosmetik steckt, dass es Miniteile (Nanoplastik) gibt, wozu Studien fehlen. Dass Landwirte auch Plastik einsetzen, die Industrie, die Hausfrau: Einmal Kunstfaser in der Waschmaschine gesteckt, bleiben je Waschgang 2000 Fasern übrig und treiben zum Fluss. Dazu kommt noch der Reifenabrieb auf der Straße

Ein Bayreuther Student wies in seiner Doktorarbeit nach, dass es dem Gardasee so geht wie jedem abgelegenen Alpensee: Am Ufer finden sich kleine und große Plastikreste. „Es sind die gleichen Polymere wie am Meeresstrand.“ Das reicht bis zur Mongolei.

Im Boden des Ruhrgebietes: Polystyrol. Das Schwarze Meer: Jeden Tag bekommt es 4,2 Tonnen Kunststoff. Hätte man bessere Analysemethoden, würde man erkennen: „Das ist nur die Spitze des Eisbergs.“

Leidtragend sind zuerst die Tiere: Vögel, Schildkröten und Fische schlucken die Kunststoffe. Ein Bild zeigt den Mageninhalt eines Albatros-Jungen: Zwei Händevoll von kleinen Plastikteilen, die ihm seine Mutter in den Hals gestopft hatte, weil sie dachte, es ist Futter. Um 80 % ging deshalb die Albatros-Population zurück.

250 Arten des Meeres sind betroffen. Im Süßwasser leidet sogar der Wasserfloh. Was Muscheln und Fische aufnehmen, verzehrt später der Mensch. In Belgien, wo das Muschel-essen „in“ ist, sind z. B. 90 Plastikmikroteile auf 250 gr Muscheln zu finden. 11 000 davon schluckt der Belgier also jedes Jahr.

Laforsch: „Additive lösen sich dann im Magen und gehen in die Organe. Auch Schadstoffe kleben an.“ Diese Gefahr untersucht die japanische www.pelletwatch.org. „Noch ist unklar, wie viel und wie schädlich solche Anhaftungen sind. Da besteht Forschungsbedarf.“

Kleinste Partikel bleiben auch auf immer in der Erde. „Ein Bonbonpapier, das auf dem Unigelände im Gras liegt, landet irgendwann im Fisch eines Supermarktes und so in unserem Magen.“

Man solle nicht sagen: „Die Politik muss da was tun“, so Laforsch. Sondern jeder muss selbst handeln. Zum Beispiel kommt es zur größten Plastik-Verschmutzung des Erdbodens, weil die Hausfrauen ihren Biomüll in Plastiktüten stecken und so in die Biotonne werfen. „Biokompost hat den stärksten Plastikgehalt.“

Handeln hilft: Pack’s an!

Der nächste Redner beim Klimaschutz-Symposion war Dr. Michael Kopatz aus Osnabrück, wissenschaftlicher Projektleiter beim berühmten „Wuppertal Institut“, das in Sachen Klima, Umwelt und Energie forscht. Er trat in perfektem Anzug auf und mit super sitzender Krawatte, wie ein adeliger Engländer – und hatte auch den entsprechenden Humor.

Eingeladen war er, weil sein Buch Ökoroutine – damit wir tun, was wir für richtig halten so ein Erfolg ist. Kopatz sagte: Wenn wir das Klimaziel von Paris erreichen wollen, müssen wir unsere Gewohnheiten ändern. Und: Neue Strukturen ändern diese Gewohnheiten am schnellsten.

Folgendes ist zu tun: Die Werbung verändern, denn mit 30 Millionen Euro wirbt sie jedes Jahr für Unnützes.

Den Staat anschauen: mit 57 Mrd Euro subventioniert er umweltschädliche Dinge. Er könnte aber z. B. die Entfernungspauschale streichen. Dieses gesparte Geld reicht, um jeden Deutschen das ganze Jahr über kostenlos mit der Bahn fahren zu lassen.

Jedes Jahr entstehen 250 000 neue Wohnungen, obwohl die Bevölkerung schrumpft. Diese Wohnungen müssen beheizt werden. Also weniger bauen.

Um eine einzige Person in einem Mercedes zu transportieren, täglich solo unterwegs, werden in diesem Auto 2,5 Tonnen Material verbaut. Besser ist Car-Sharing. Ein Student klebte einmal einem Porsche folgenden Spruch an die Scheibe: „Eine Penisverlängerung wäre klimafreundlicher als dieses Angeberauto“

gelebte Schizophrenie: Wir umhätscheln unsere Haustiere, essen aber Billigfleisch von anderen Tiere. Die dafür in der Massentierhaltung leiden müssen.

Wäschetrockner braucht man nicht. Die Wäscheleine am Balkon tut es auch.

Es gibt schon Bio-Siedlungen. Man muss nicht alles wie in Mallorca zubetonieren. „Wir müssen bloß wollen.“ „Wenn kein einzelner handelt, kommt es zur Massenkatastrophe.“

Wer hätte gedacht, dass das Rauchverbot heute allgemein anerkannt ist, sogar auf dem Oktoberfest. Wer hätte gedacht, dass alle Häuser einmal eine Wärmedämmung haben. „Umstellen geht.“ Die Ökowelle wird in 20 Jahren zu 100 % durchschlagen, so Kopatz.

Legehühner haben heute doppelt so viel Auslauf wie im Jahr 2003. Würde man die Schweinehaltung entsprechend verbessern, entstünden allein in Frankreich 70 000 neue Arbeitsplätze. „Sogar Aldi will EU-weit Tierschutzgesetze.“ 80 von 100 Managern wollen mehr positive Regelungen, um einen Grund zu haben, ökologisch zu handeln.

Den Flugzeugverkehr sollte man auf dem Jetztstand einfrieren. Ebenso den Straßenbau. Aber der Lkw-Verkehr stieg in den letzten 5 Jahren um 30 % an und wird es in den nächsten 5 Jahren noch einmal tun.

Ab 2030 sollte das emissionsfreie Auto Pflicht sein. Oslo will es ab 2023. Kopenhagen räumt im Winter zuerst die Radwege. Berlin denkt an Tempo 18, weil sich schon mit Tempo 30 der Lärm halbiert.

Osnabrück, wo Michael Kopatz bei den Grünen im Stadtrat ist, hat im September einen Tag, wo man Parkplätze begrünt und Stühle drauf stellt und Blumen. Köln plant das Gleiche. In Osnabrück blieben nach einer solchen Aktion zwei Parkplätze für immer grün.

EU-weit könnte man das Standby bei Elektrogeräten ausschalten lassen. Damit könnte man sechs Kohlekraftwerke schließen.

Getränkekisten sollte man unbeschriftet in den Handel geben, so dass sie von jeder Brauerei genutzt werden können.

Es gibt ein „Aachener Modell“ zur Solarenergie, wo kleine Leute etwas probierten, was in ein Bundesgesetz mündete: Das ist ein Ansporn, im Kleinen zu beginnen.

„Reformer haben es leichter, wenn Druck von der Straße kommt. Es lohnt sich, sich einzusetzen.“ „Never give up!“ Zu diesen drei Worten zeigte Michael Kopatz eine lustige Karikatur: Ein Pelikan, der einen Frosch verschlucken will, hat den schon im Schnabel. Aber der Frosch reckt blitzartig seine Hände vor und schnappt sich den Pelikan am Hals und drückt zu.

In der anschließenden Diskussion, an der auch Manfred Miosga teilnahm, betonte Kopatz: Studien zu Verbesserungen verpuffen. Sie müssen deshalb oft publiziert werden. Und mit begeisternden Geschichten versehen: „Die Leute brauchen Geschichten.“

Miosga beklagte die Armada von Lobbyisten, die Neues stoppt. Und: Seine Ansätze, die Wissenschaftler zu mehr Außenarbeit zu bringen, scheiterten schon im Uni-internen Beirat. Es fehlt auch die Forschung zu Null- Wachstum oder Minus-Wachstum. Aber: „Nicht warten, das etwas von oben kommt, da können Sie lange warten. Dafür müssen wir auf die Straße gehen.“

Kopatz ermutigte jeden, etwas zu tun, so dass er seinem Enkel sagen kann: „Ich habe was angepackt.“

Aachener Modell: Die Einspeisung erneuerbaren Stroms ins öffentliche Netz wird vergütet. Die Idee dazu kam von einem kleinen Solarverein im Jahr 1989. Sie wurde daraufhin in vielen Stromeinspeisegesetzen auf nationaler Ebene angewendet. Unter anderem fand sie im Jahr 2000 Eingang in das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) .

Terra Preta, schwarze Erde

Thomas Kappauf ist schmal, drahtig und still. Sein Gesicht ist gebräunt vom vielen Gärtnern und seine Hände haben einen guten Ausdruck - auch vom vielen Gärtnern. Er gärtnert mit Leidenschaft und lacht, wenn er seine Rote Beete hochhebt, mit 15 cm Durchmesser, oder sein Mangoldblatt zeigt, mammutgroß.

Beides schafft er mit der Hilfe von Terra preta, einem Erd-Herstellungsrezept, das die Spanier 1541 bei den Bewohnern des Amazonas sahen. Dort lebten Hunderttausende Menschen auf einer von ihnen selbst fruchtbar gemachten dunklen Erde, die enormes Wachstum freisetzte. Die Indios verschlossen ihren Kot, Essensabfälle, Urin und Asche in 80 cm großen Tonkrügen und vergruben das, bis es gereift in ein Beet kam.

Nun gibt es in der Schweiz seit zehn Jahren das Ithaka-Institut, wo ein Hans-Peter Schmidt alles sammelt, was mit Terra preta zu tun hat. Weltweit forscht man dort überhaupt zu Alternativen.

Von hier kommt nun ein KonTiki-Ofen, mit dem man Terra preta herstellen kann. Das Umweltzentrum Lindenhof im Süden von Bayreuth, wo Kappauf arbeitet, importierte ein Modell – 1600 Euro teuer, mit 70 cm Durchmesser. In drei Stunden schafft es 100 ltr Pflanzenkohle. Das klug durchlüftete Modell kann man leihen, für 25 Euro am Tag, oder man kauft die Pflanzenkohle. 30 ltr kosten 25 Euro. Diese Kohle impft man noch etwas (siehe unten), mischt sie in die Gartenerde und hat seinen Terra preta-Effekt.

Wer die Kohle selbst herstellen möchte, nimmt seine trockenen, holzigen Gartenschnitte und verbrennt sie in dem Ofen Schicht für Schicht. Am Ende löscht ein Wasserschlauch von unten die Asche ab.

Es gibt auch ein Minigerät, den Pyrocook (700 Euro von www.kaskad.ch), wo beim Kochen nebenbei diese Kohle entsteht.

Wer bequem ist, kann die Kohle aber auch bei der Kompostieranlage in Bindlach kaufen, wo sogar Terra preta damit angemischt wird (Pflanzenkohle + Kompostiererde 1:1). Oder er wendet sich an die Händler Marco Heckel in Groß-Pankow (Tria Terra) und Sitki Kurhan in Fürth (Terra Magica).

Aber Thomas Kappauf ist etwas unsicher, nach welchen Rezepten diese vorgehen. Deshalb macht er seine eigene Erde. Die impft er immer auch („aufladen“). Dafür gibt es mehrere Wege: Man kauft bei M. Heckel eine EM-Lösung (3 Euro) und sprüht diese effektiven Mikroorganismen (EM) drauf, die 1982 von dem japanischen Professor Teruo Higa populär gemacht wurden. Oder man kippt Kuh-Urin auf die Pflanzenkohle, bis diese gesättigt ist, und kippt sie dann wieder ab. Das geht auch mit Brennnesseljauche. Oder man stellt aus Joghurt und Kefir selbst Milchsäurebakterien her.

Oder man setzt die Bokashi-Methode ein: Ein simpler Wassereimer mit Deckel und kleinem Abflusshahn unten wird mit Küchenabfall gefüllt, dann mit einer Schicht Pflanzenkohle bedeckt (10:1), mit EM oder Jauche oder Urin besprüht, geschlossen und ein paar Wochen stehen gelassen. Ab und zu lässt man unten Saft ab, damit es innen trockener bleibt. Dieser Saft ist dann ein guter Pflanzendünger.

Die entstandene Terra preta gibt man am besten in die Erde eines Hochbeetes (4 Teile Erde, 1 Teil Terra preta). Wie man das baut, erläuterte Thomas Kappauf auch. „Das ergibt super Ernten, aber auch viele Schnecken.“

So etwas stellte er z. B. dem Münster-Gymnasium in Bayreuth hin, mit 30 cm Erde im Beet.

In Nepal überzeugte man Bauern, auf teuren Dünger zu verzichten und die Pflanzenkohle/Urin in schmale Rinnen zwischen den Gemüsereihen zu geben (70 % mehr Ernte) – oder kleine Löcher für Pflanzen zu hacken, und das Gemisch zentriert da reinzukippen, bevor die Setzlinge drauf kamen.

In Holland klappte der Versuch, 900 Tonnen Laub mit EM zu versetzen und mit magnesiumsaurem Kalk, alles unter einer großen Folie. Daraus wurde gute Erde.

Weltweit könnte man aus Holzabfällen 9,5 Gigatonnen Terra preta pro Jahr herstellen. Würde man den Kot von Menschen mit Pflanzenkohle mischen, käme es zu 480 Mrd Tonnen weniger Co²-Ausstoß. Beim Kot von Vieh sind es 330 Mrd Tonnen weniger. Auch das Lachgas wäre damit vermieden, das ja so viel zur Klimaveränderung beiträgt – und in der Landwirtschaft entsteht.

Thomas Kappauf bezeichnet seine Initiative als „citizen science“ (Bürgerwissenschaft). Er bekam jetzt Fördergelder, um 2018 in verschiedenen Gärten mit Terra preta zu testen. Wer sich mit seinem Garten beteiligen will, bekommt sogar eine Bodenanalyse im Wert von 40 bis 70 Euro umsonst. Und Terra preta. Anmelden im Lindenhof. Tel. 0921 / 75 94 225

Nebenbei erzählte Kappauf noch, wie man eine Erdmiete anlegt, um Kartoffeln etc. zu überwintern: Er baut mit Holzleisten eine große Kiste aus Hasendraht, setzt sie in ein Erdloch, stopft außen Walnussblätter herum (sie stoppen alle Schädlinge) und streut 10 cm Erde über den Deckel. Auch Ringelblumen streut er zwischen die Kartoffeln, als Erdwürmer-Schutz.

Hildegard-Kräuter für die Küche

Es war ein schöner Abend im "Brot&Buch" bei Familie Schorner ( ein großer Dank an sie), mit Kräuterfrau Johanna Eisner.

"Ich lebe und esse das, was sie lehrt", sagte sie zu Beginn. Was Hildegard von Bingen lehrt. Johanna Eisner stieß wegen einer Allergie zu der berühmten Äbtissin und ihren Kräutern. Sie wollte so den Antibiotika entgehen. "Wenn man so etwas (eine Krankheit) hat, dann sucht man."

Sie lernte mit 17 Jahren als Hauswirtschafterin, arbeitete dann in Landshut, war bei den Familien der großen Milchfirmen Meggle (Müller-Milch) und Bauer, zog aber auf Wunsch der Eltern zurück in die Oberpfalz - "obwohl es in Oberbayern viel schöner ist". Dort wirkte sie lange in einem Krankenhaus, danach im Kloster Speinshart. Fünf Jahre war sie dort alleinerziehend mit ihren zwei Kindern, ein Leben "wie im Miittelalter". Nach der Meisterprüfung unterrichtete sie im Kloster 29 Lehrlinge, sorgte noch zehn Jahre für einen Klostergarten und ging dann 2010 in Rente. Danach entstand noch ihr Kräutergarten in Waldsassen. Heute gibt sie Kurse im Heilfasten (auch im Kloster Michelfeld jedes Jahr) - und hatte jetzt auch Zeit für unseren Abend in Pegnitz. Endlich. Denn seit Jahren probieren wir, sie zu bekommen.

Dort stellte Johanna Eisner ihren Kochtopf hin, hob ein Stück Pute hinein, drehte 2/3 der möglichen 12 Stufen auf und schmorte das dicke Fleisch an ("alles immer sanft braten!"). Ohne jedes Wasser. Dann drehte sie es, kippte eine Schüssel Gemüseschnitzel drauf - Quitte, Zucchini, Tomate, Zwiebel, Karotte, Sellerie, Fenchel - und legte dick Büschel von verschiedenen Kräutern aus ihrem Garten drauf. Dann Deckel drüber und eine Stunde warten. Danach war das Ziel erreicht: Das Gemüse hatte dem Fleisch sein Wasser gegeben. Und die Kräuter hatten den Salz-Ersatz gespielt. Alles schmeckte hervorragend.

In dieser Stunde nahm Johanna Eisner 14 Zuhörer/innen in ihren Bann. Mit einfachen Worten, in einfacher Kleidung, ohne irgend etwas Besonderes. Von daher muss ihr Ruhm kommen, von dem Einfachen und Freundlichen.

Sie teilte drei Kopien aus, dicht beschrieben mit allem Möglichen zu den Küchenkräutern. Und sie ergänzte mit Live-Tipps: Beim Salbei sollte man den Salbei mit den schmalen Blättern nehmen. Nie heißes Wasser drauf schütten wie bei Tees, sondern nur ein Blatt von kalt zu heiß aufkochen für 1 ltr Tee, und nach 2 Min des Ziehens das Blatt entfernen. Sonst rutscht noch ein Nervengift heraus. Dieser Tee hilft bei allen Entzündungen. Jeden Tag einen Liter trinken, aufgepeppt durch einen Tropfen reinen Weinessigs.

Sie wechselte dann zum Rosmarin ("toll!", für Kreislauf und gegen Krämpfe) und zum Maggikraut (Liebstöckel): "Junge Triebe nehmen! Zwei davon ins Essen, und wieder rausnehmen." Es ist harn- und galletreibend, gegen Blähungen.

Sie hob ein Büschel Meerrettichblätter in die Luft: Pulverisieren, und mit Galgant einnehmen bei Herzproblemen. Er öffnet alles im Körper. Fördert die Verdauung.

Dann der Dill. "Dill kommt (= wächst), wo er will." Ihn nicht roh nehmen, sondern getrocknet. Hilft bei Gicht und Rheuma (Diätkur).

Die Zitronenmelisse: Abwechselnd die Hälfte des Krauts auf Stock setzen, und die Blätter für einen sauren Sud verwenden. Beruhigt, senkt den Blutdruck, treibt Blähungen aus. Basilikum wärmt den Magen und braucht auch Sonnenwärme beim Wachsen, ein warmes Hauseck. Estragon nur im Mai ernten, um Essig anzusetzen, und die Blätter dann drin lassen in der Flasche

Kerbel ist gut für Semmelknödel (harntreibend, gegen Blähungen). Petersilie ist ein super Vitamim C-Spender und eine Heilpflanze (auch Stengel und Wurzel), die mild entwässert. Regt den Appetit an. Damit kann man Herzwein ansetzen: 120 gr auf 1 ltr Wein, plus etwas Honig. "Das bringt am Abend neue Energie."

Bergbohnenkraut ist gut bei Blähungen. Hemmt Entzündungen. Schnittlauch soll man mit viel Gefühl und Liebe ernten: "Es will das." Den Stock kann man raustun aus der Erde und vier Tage einfrieren, dann wieder einpflanzen: "Er meint dann, es ist Winter gewesen, und treibt sofort gut." Im Herbst hebt man seine Wurzel raus, und lässt sie kopfüber liegen im Winter. Im Frühjahr dreht man sie wieder um und gräbt sie ein, mit frischer Erde. Schnittlauch hemmt Entzündungen, stärkt die Verdauung und senkt den Blutdruck.

Boretsch ist gut für die Niere ("einfach in die Salatmarinade tun"). Der Fenchel ist ein Universalheilmittel gegen Fäulnis, sein Samen gut für Tee. Ysop hilft der Leber und vertreibt Traurigkeit. Es ist eine Pflanze, die Bienen und Hummeln lieben. Einen Zweig davon kocht man mit. Kommt er in den Salat, dann ungeschnitten. "Gut für Magen und Augen. Weil Augenleiden vom Magen kommen."

Es gibt auch ein Ysop-Elexier, das man in einer Flasche 20 cm tief eingräbt, 5 bis 9 Tage von der Erdwärme umhüllt lässt, dann abseit. Danach hat man so etwas wie Waldhonig, hell und rein. Ysop ist ein Blutreiniger. Und hilft bei Traurigkeit, die ja Leber- und Magenleiden auslöst.

Minze kockt man mit, weil es gut für die Verdauung ist. Stark ist die Poleiminze. Gegen Sodbrennen und Aufstoßen. Hat die Kraft von 15 Kräutern,

Auf Erdbeeren verzichtet Johanna Eisner, weil Hildegard sagte, aus ihrer hellsichtigen Schau: Erdbeeren sind nicht gut für den Menschen, Lauch auch nicht, Pfirsisch nicht, Zwetschgen nicht. Die Erdbeere deshalb nicht, weil sie verschleimt. Ähnlich wirkt die Haselnuss (es ist die gleiche Familie). Lauch und Porree verdicken das Blut, lösen Fäulnis aus. Pfirsich verstärkt Gicht und Rheuma.

Bei der bitteren Weinraute genügt immer eines der 5-teiligen Blätter: Man isst es roh nach dem Essen. Das hilft der Verdauung. Auch bei Hitzewallungen in den Wechseljahren ist es gut, bei Gallenstau und Diabetes, bei Depressionen (gibts auch als Dragee).

Wermuth sollte man nur im Mai ernten, nach dem ersten Frühlingsvollmond. Sonst bringen einen seine Gifte in Abhängigkeit - siehe Absinth, der aus ihm hergestellt wird. Die französischen Dichter, die ihn genossen, wurden krank damit. Tee daraus hilft beim Verdauen. Der gepresste Saft ist ein Elexier für Kuranwendungen.

All das hatte Johanna Eisner dabei. Und griff jetzt in ihren Korb mit den Hildegard-Gewürzen, die man auch im Internet bestellen kann. Galgantpulver in Wein weckt eingeschlafene Hände und Füße auf. Gut bei Herzschwäche und Magen/Darmkrämpfen. Quendel ist gut für die Haut und Schleimhaut und stärkt das Gedächtnis. Reinigt das Blut. Oft streut man ihn in den Teig für Energieplätzchen.

Bertram ist top: "Er bringt die Gesundheit zurück."Auch bei harten Fällen, sogar bei Malaria. Eine Prise davon gehört in den Kaffee, zum Entsäuern. Man kann ihn auch kauen. "Er macht alles verfügbar, was der Körper in sich hat." In jedes Backgemisch sollte ein Esslöffel je 2,5 kg Mehl.

Dann der Cubebenpfeffer: Ähnlich wie Weihrauch hat er ätherische Öle "und macht froh und genial". Kaut man 2 oder drei davon, wird der Kopf frei. Gemahlen gibt er Soßen sein Aroma.

Gute Gewürzmischungen entstehen aus Edelpelargonie, Bertram und Muskat. Oder aus Bockshornklee, Kreuzkümmel und Pfeffer. Das gibt so viel Sauerstoff wie 50 Liegestütze, versprach Johanna Eisner. Muskatpulver hilft universell gegen Trübsinn und Konzentrationsschwäche, weil es das Blut reinigt und die Nerven beruhigt.

Ingwer ist eher eine Medizin (z. B. bei Magersucht und Reisekrankheit). Nur kurzzeitig nehmen. Für den Alltag ist der braune Ingwer (Galgant) besser geeignet. Galgant ist - wie gesagt - gut bei Herzschwäche und Magen-Darm-Krämpfen.

Die Diptamwurzel senkt das Cholesterin. Der Bärwurz (seine Wurzel) hilft bei Migräne und reinigt das Blut. Ein guter Mix ist hier: Bärwurz, Süßholz, Galgant, Bergbohnenkraut und Pfefferkraut.

Die Quitte sollte man in alles werfen, was kocht: "Traut euch!"

Und bei Rainfarn gilt wieder die Regel: Nur im Mai ernten, und nur die Blätter. Ab der Blüte nichts mehr zupfen. Nur gekocht genießen. Hilft bei Erkältung und Husten.

Die Zuhörerinnen waren alle Expertinnen auf einem besonderen Gebiet. Sie hörten mit Begeisterung zu, gaben aber auch ihre eigenen Tipps.

Ausflug zum Münzinghof

Nur eine Handvoll Enthusiasten fuhr mit, leider. Denn es war ein so guter Abend. Wenn jetzt nicht im nächsten Jahr "40 Jahre Münzinghof" wäre (vermutlich am 17. Juni), wo jeder sowieso alles sehen kann, würden wir noch einmal eine Fahrt anbieten. Denn diesmal sahen wir nur die Landwirtschaft, nicht die Häuser innen, nicht die Schlosserei, Gärtnerei, Bäckerei, Käserei, Hausmeisterei, Kerzenzieherei und Taschenherstellung.

Landwirtschaftsmeister Peter Blanke aus Velden führte uns. Er war erst Mechaniker und studierte dann Öko-Landwirtschaft. Er umriss kurz, wie der Münzinghof entstand, diese große WG für "Menschen mit Hilfsbedarf". Eltern der Nürnberger Karl-König-Schule suchten etwas auf dem Land. Zu ihnen stießen Unzufriedene der Camphill-Bewegung, denen es dort zu reglementiert war. Sie wollten freier leben. Heute unterstützt der Staat die angebotenen Arbeits- und Wohnplätze für die hilfsbedürftigen Menschen, nicht aber den Landwirtschaftsbereich. Ihn "trotz der Probleme" zu einem Plus von 30 000 Euro im Jahr zu führen, macht Blanke stolz. "Es ist hart, aber eine große Herausforderung."

Der Münzinghof mit seinen 180 Bewohnern wurde in den 40 Jahren zum größten Dorf um Velden und zum größten Arbeitgeber. 100 Menschen stehen auf der Lohnliste. Die Personalkosten betragen 3,4 Mill Euro.

Ein Gremium von 20 Leuten leitet alles mit flacher Hierarchie, über Ausschüsse. Die einzelnen Hofbereiche sind eigenständig und rechnen eigenständig, d. h. sie handeln untereinander wie Firmen. Das Getreide der Landwirtschaft muss z. B. von der Bäckerei gekauft werden, deren Milch von der Käserei. Man versucht, immer in Kreisläufen zu leben.

Die Kühe haben einen weichen, warmen Tiefstreu-Laufstall und eine Außenweide. Sind sie alt, werden pro Jahr drei oder vier von ihnen geschlachtet. Die Milchleistung ist für Bioverhältnisse hoch (8000 ltr; eine herkömmliche Kuh muss zwischen 10 000 und 15 000 bringen). Es gibt hier auf dem Hof keine Fruchtbarkeits- oder Klauenprobleme.

Die Kälber wurden lange ab dem Alter von zwei Wochen verkauft, woraufhin sie in die normale un-bio Mühle gerieten: Enthörnen, Mast mit Milchersatz bis zum Gehtnichtmehr, auch wenn sie nach Rauhfutter gierten. Aber sie bekamen keins, weil es ihr Fleisch dunkler macht. "Eine schlimme Sache, Kälber so zu entsorgen." Aber seit zwei Jahren behält der Münzinghof seine Kälber bis zum 10. Monat. In konventionellen Betrieben dürfen sie nur 8 Monate alt werden.

Zum Münzinghof gehören 90 Hektar Land und 22 Hektar Wald, oft aufgeforstet. 200 bis 300 Ster Brennholz werden gewonnen. Es gibt ein Blockheizkraftwerk mit Hackschnitzelvergasung und einen Generator mit V8-Chevrolet-Motor. Strom und Wärme kommen heraus. Der Strom fließt ins Netz, weil es lohnender ist, dann Biostrom zurückzukaufen. Im Winter ergänzt eine Hackschnitzelheizung am anderen Ende des Dorfes.

Ein mobiles Sägewerk wird geholt, wenn genügend "Bäume mit Charakter" angesammelt sind, um den Möbeln der Schreinerei durch ihre Maserung etwas Pfiff zu geben. Die Schreinerei nimmt gerne Aufträge von außen entgegen, genauso die Schlosserei (Balkongeländer, Zäune, Edelstahlsachen). Der Vorteil ist, dass sie nur 7 % Mwst verrechnen müssen und so billig sind.

Wer einmal die Käserei oder Gärtnerei besuchen will, zum Einkaufen, hat am Samstagvormittag seine Chance. Die Gärtnerei ist auch wochentags von 9 -12 und 14.30 bis 18 Uhr geöffnet. Einen Dorfladen gibt es absichtlich nicht, weil dann das Erlebnis fehlt, die handwerkliche Herstellung zu sehen.

Ein kleiner Laden soll aber bald in Vorra kommen, wo der Münzinghof ein Cafe kaufte, die "Vogelbeere" (beim Ex-Roten Ross). Im Münzinghof gibt es auch schon ein Cafe, immer freitags am Abend offen, für jedermann.

Aber zurück zur Hackschnitzelheizung. Ihre Abwärme trocknet 1700 Kubikmeter Schnitzel pro Jahr. Getrocknet wird auch - solar - nasses Gras in der Heuhalle. Dadurch muss es auf der Wiese nicht gewendet werden und verliert nicht seine wertvollen Kleinblätter. Man mäht spät, so Peter Balke, weil dann keine Bienen mehr im Gras sind und weil dessen Zuckergehalt dann höher ist, was dem Grundfutter später hohen Energiegehalt gibt.

Ein kleiner Schweinestall mit den saubersten Schweinen, die ich bisher gesehen habe, hat Kuschelboxen für 4 Tiergruppen a 6 Schweine. Die Ferkel dafür werden gekauft und mit Kuhfutterresten und Molke ernährt bis zum Alter von 10 oder 12 Monaten, dann geschlachtet. Alle sechs Wochen sechs von ihnen. Was man nicht selbst braucht an Fleisch, geht an die Nürnberger Bioladenkette Ebl.

Zwei Pferde leben auf dem Hof für Reittherapie. Geplant ist, ein Hühnermobil zu kaufen. Das ist ein Großwagen, der alle zwei Wochen zu neuem Kleegrasland gefahren wird.

Ebenfalls geplant ist eine neue Werkstatt. Peter Blanke hofft hier, dass es mit wenig Geld geht, und dass viele Rentner aus der Umgebung ihr Wissen einbringen. Oder sogar mithelfen, wenn sie noch rüstig sind. "Aber es genügt, wenn einer sagt: Ich war Maurer und ich kann euch sagen, wie ihr es am besten macht."

Zudem sollen die zwei Güllegruben zugunsten einer neuen, großen Grube verschwinden.

Sein Plan ist noch, Dexter-Rinder anzuschaffen - sie sind extrem klein, wie große Hunde - , um sie für die Landschaftspflege einzusetzen. Zum Beispiel hat man schon den Auftrag, die Wacholderheide bei Lungsdorf in Schuss zu halten.

Ein neuer Stall für Kälbermast und Trockensteher (das sind Mutterkühe, die zwei Monate vor dem Kalben nicht mehr gemolken werden) und zwei Ammenkühe ist auch geplant.

Der Münzinghof selbst soll nicht größer werden. "Damit haben wir uns lange befasst. Es soll bei 180 Menschen bleiben. Wenn, dann gibt es einen Ableger."

20 Azubis hat der Hof. Sie kommen aus aller Welt in dieses Bioenergiedorf, das 2015 den bayerischen Umweltpreis erhielt. Denn Mundpropaganda zieht sie aus Argentinien, Afrika, Thailand und Neuseeland her. Peter Blanke erzählte den interessantesten Fall: Mikel aus Idaho hatte Mathematik studiert und war vor der Professorenkarriere. Da dachte er sich: "Soll das mein Leben gewesen sein? 40 Jahre Uni?" Drum zog er lange durch die Welt und landete irgendwann in Ägypten. Dort wollte er die Wüste sehen, und brach zu einer Oase auf. In der Oase traf er einen Mann, mit dem er sich über das Leben und seine Chancen unterhielt. Der empfahl ihm: "Es gibt in Deutschland den Münzinghof." Mikel kam, wollte zwei Monate bleiben und machte dann eine Ausbildung.

Wir trafen auch einen jungen Hippie, der hier als Gärtner lernt, als "freier" Gärtner, weil bio-öko. Er sagte, er will danach etwas ganz anderes machen. Aber ihm gefällt es auf dem Hof.

Peter Blanke sagt, vielen gefällt es. Es gibt deshalb wenig Fluktuation bei den Mitarbeitern. Sie wollen auch im Alter bleiben. Darum denkt man jetzt an ein neues Gebäude mit sechs Wohnungen für sie. Und an ein Haus für Alte. Einen eigenen Urnenfriedhof gibt es auch schon.

Er selbst und seine Frau sind auch ein "Hauselternpaar". Denn in den acht Häusern für hilfsbedürftige Menschen gibt es immer so ein Elternpaar (mit seinen Kindern, unterstützt von zwei Personen) für die je acht Hilfsbedürftigen. So kommen bis zu 15 Menschen an einem Mittagstisch zusammen.

Bischofssitz & Wolf

Mit Förster Harald Kannovsky entdeckten wir den Veldensteiner Forst. Geplant war ein Konvoi zu seinen 20 Sehenswürdigkeiten, aber es wurde eine 9 km-Wanderung zu drei Punkten draus: Wirrenloch, Bischofssitz und Hühnerfelsen. Trotzdem wurde es interessant, wegen der Erzählungen von Herrn Kannovsky über den Wald.

Hierzu kleine Punkte: Unter dem Forst (6000 Hektar groß, bewachsen mit 40 000 Festmeter Holz) ruht ein Wasserreservoir so groß wie der Ammersee - in riesigen unterirdischen Höhlen. Drüber zieht sich ein Trockental von Betzenstein bis Lungsdorf, das Gänstal. Es hatte früher Wasser. Wir streiften dort ein Maisfeld mit Elektrozaun gegen Wildschweine. Es hat einen Rand mit Weizen, um die Rotte leichter zu sehen bei der Jagd.

Wildschweine sind gefährlicher als Wölfe, erfuhren wir - wovon es mittlerweile zwei gibt im Forst, eins davon ein Weibchen, wie Laborprüfungen ihrer Haare/Speichel an Opfertieren ergaben. Diese Wölfe haben riesige Reviere und traben die eifrig ab, um sie zu markieren. Weitwanderungen sind auch bezeugt von Kroatien nach Polen und Frankreich zur Schweiz. Sie reißen nun unser Rotwild hier, das keine Ahnung hat, wie sich wehren. Erst spät kommt es zur Rudelbildung als Abwehr.

Sollten mal Bären auftauchen, helfen Glöckchen am Rucksack. Lärm hält auch den Wolf fern. Bei Bär und Wildschwein hilft auch der Sprung auf einen Baum. In den USA haben deshalb wilde Campingplätze immer einen Baum mit kurzen Steigästen dabei.

Wir hörten auch viel über die Bäume. Die Förster müssen jährlich 35 000 Pflanzen auf über 5 Hektar Land neu setzen. 25 Mann sind im Einsatz. Gefällt wird auch viel, wobei ein Festmeter 100 Euro gibt. Ein Festmeter ist ungefähr ein schlanker Baum.

Buchen gehen in eine Spezialfabrik in Österreich, die daraus Viskose (Textil) und Süßstoff herstellt. Froh ist man, dass die totgeglaubte Tanne (Schwefel schadete ihr; Anti-Schwefelmaßnahmen halfen) wieder aufblüht. Denn sie ist als einzige dem neuen Klima gewachsen. Und: Durch die Luft kommt so viel Stickstoff herunter, dass die Fichten hier viel zu schnell wachsen.

Hat eine Fichte dürr hängende Feinzweige an einem Ast, ist der Borkenkäfer drin. Sie wird dann sofort gefällt.

Generell bemüht man sich, überall für vier Baumarten zu sorgen (Fichte, Tanne, Buche, Kiefer), um für klimat. Eventualitäten gewappnet zu sein.

Eichen und Kiefern brauchen Sonne, Buchen den Schatten. Ahorn gedeiht nur in den feuchten Tälern. Süße Bäume müssen umzäunt werden beim Aufwachsen, weil das Wild so gern nascht. Rotwild lockt man deshalb auch per Fütterung zu Altbaumbeständen (weniger süße Borke) und hält sie dort.

Lässt man eine Wiese ungepflegt, schnappt sich die Buche das Stück - nachdem sie Schwarz- und Weißdorn und Ahorn verdrängt hat.

Vor 120 Jahren war der Forst geplündert. Mickrige Kieferbestände und viel Leere prägten ihn. Heute steht er gut da, aber die Förster verzichten auf Spezialsorten wir Blutbuche oder Douglasie. Sie spotten über Gärtnereien, die jede neue Art hochpäppeln.

Wichtig ist beim Altholz, es stehend zu belassen (als verdorrte Stämme), weil dann mehr Insekten Unterschlupf finden. Auch nisten sich Fledermäuse in die Rindenlücken. Beim Punkt "Schutzengel" sahen wir auch die Baumschwämme am dürren Stamm, die am warmen Spätnachmittag ihren Nachwuchs planen: Plötzlich stoßen sie Wolken von Sporen aus.

Beim "Schutzengel" fand man einmal ein verirrtes Kind nach drei Tagen wieder. Ein Dankesbild hing danach am Stamm, wurde durch ein Eisenkreuz ersetzt und Herr Kannovsky ließ wieder ein Bild malen (Plecher Künstler).

"Kallmünzer" stehen auch ab und zu im Wald herum, das sind kleinere Sandsteinbrocken, der Rest der Kreidezeit, die ihren Flussdelta-Sand über die Dolmitfelsen schob, welche ein Relikt tropischer Meereszeiten sind (als Europa noch am Äquator lag).

Solch ein Kallmünzer, nur quer, ist der Bischofssitz St. Otto mitten im Wald. Von Richard Wächter erst vor Kurzem entdeckt, war er einst so positiv bewertet, dass man den Bamberger Bischof drauf sitzen ließ, als er mal zu seinem Outpost Michelfeld düste. Vermutlich liegt er auf einem gut abstrahlenden Fleck Erde (mosaikartig gibt es auch negative Ecken und neutrale im Land). Eventuell wurde er in Urzeiten noch gedopt, d. h. informiert. Aber meist hatten solche Steine eine Eigenkraft, die man damals zum Heilen von Krankheiten benutzte: Man legte sich drauf, oder lehnte sich an bestimmte gute Stellen. (Der Lehrer Oswald Tränkenschuh macht sehr gut besuchte Führungen zu solchen Steinen in den Haßbergen. Auch bei uns gibt es Areale mit solchen Heilsteinen.). Ob ein Felsen gut abstrahlt, liest man auch an den Bäumen ab. Denn biegt sich ein Stamm weg vom Fels, weicht er Schlechtem aus. Hat der Stamm viele Auswüchse, steht er auf einem unruhigen Platz. Dreht sich sein Stamm, ist das der Versuch, ein Überpotential von Plus oder Minus am Standort auszugleichen. Streckt ein Baum aber seine Äste über konzentriert einen bestimmten Punkt,liegt darunter ein gut abstrahlender Erdfleck.

Die ganzheitliche Gärtnerei

Es war unglaublich gut besucht: über 20 Leute fanden nach Althaidhof zu Martina Pausch. Darunter zwei Damen aus Auerbach und eine aus Thailand. Und unsere Reise lohnte. Denn Martina hat so eine schöne kleine Gärtnerei eingerichtet, mit ordentlich in Reihen blühenden und wachsenden Pflänzchen für Stauden, Steingarten, Kräuter, Bienen, Küche. Das alles liegt in einem grünen Tal, das links in eine große Bergwiese übergeht, in ein Idyll.

Ihr Mann Kai, ein Zimmermann, berichtete, wie er diesen Fleck Erde fand. Er war bei einem Freund zu Besuch, der rechts oben wohnt, und sah diese alte Streuobstwiese. Eine alte Frau lebte hier, mit Schafen. Er und seine Frau - Martina ist urprünglich Kindergärtnerin, war aber immer am Gärtnern interessiert - konnten alles kaufen. Jetzt steht ein neues Holzhaus dort und die Kinder, 13 und 17 Jahre alt, haben oberhalb einen kleinen Tierstall. Die Hühner sind ein Geschenk aus einer Bio-Eierfarm, wo auch alle zwei Jahre über Tausend Hennen getötet werden, weil sie angelich nicht mehr so viel legen. Aber hier in Althaidhof erholten sich die Geschenkhühner bestens und legen toll. Aus ihren Eiern bekamen wir einen Gemüsekuchen, eine Art flache Quiche, supergut.

Kai kommt seit Jahren nicht nach mit dem Umsetzen seiner Ideen. Er wurde z. B. zum Imker: "Es ist doch bitter: mittlerweile finden die Bienen in München und Berlin mehr Pollen als die Bienen hier bei uns. Wir müssen wieder Obstbaumwiesen anlegen, kleine Inseln schaffen.". Er freut sich auch über jedes Hornissenvolk, das sich einnistet. Einmal entdeckte er eine Ringelnatter: "Da ging für mich die Sonne auf." Er macht auch seit zehn Jahren Haufen am Rand für seinen Baum- und Grasschnitt. Dort siedelten sich dann Ameisen an und Erdkröten. Eidechsen schlüpfen schon über eine stetig wachsende Steinwand, wo er alle Feldsteine deponiert, die er beim Hundausführen irgendwo findet. Ich vermute, dass die kleinen Tiere deshalb so gern herziehen, weil sie hier Menschen spüren, die ein Gefühl für die Natur haben. Martina und Kai setzten auch viele Obstbäume neu und pflanzten an, was hereintrudelte: Ein Ginko aus Weimar, Irisblüten von einer Freundin, eine gestrandete Eibe, eine kleine Linde. Wo jemand nicht wusste, wohin mit einem Baum, gab er ihn hier ab.

Martina hat den Wunsch, hier den Naturkreislauf wieder in Gang zu setzen - obwohl ihr kleines Tal ein Kaltwetterloch ist. Die Abendwärme kühlt z. B. mit dem Sonnenuntergang rapide weg. Was blüht, hinkt zwei bis drei Wochen den kleinen Kollegen in der Forchheimer Gegend nach. Martina achtet deshalb darauf, Robustes zu ziehen, das unser Oberfranken aushält. Außerdem folgt sie ihrer Lehrmeisterin, Frau Augustin (sie hat die berühmte Stauden-Gärnerei in Effeltrich), die bei der Ausbildung sagte: Sammelt Seltenes, hängt euch nicht an die Masse. So geht es Martina heute, im ersten Jahr der eigenen Gärtnerei, nicht so sehr um tolle Blüten, sondern um Seltenes, um Wildes, um Duft. Für ihre Gärtnerei plant sie noch Schauflächen, auch Farne und Wasserpflanzen. Es gibt aber schon einen Bienenhügel, ein Bienenblütenfeld ("das hat wunderbar funktioniert"), einige schöne hohe Gräser und ein Mutterpflanzenquartier.

Martina hat am Sonntag, 18. Juni, von 10 bis 19 Uhr einen "Tag der offenen Tür" mit einem Vortrag über Rosen-Begleitstauden (seltene Sorten) und mit Tipps einer Kräuterpädagogin zu Wildkräutern. Dann verteilt sie auch ihre Flyer, die alle halbe Jahre erscheinen und auf ihre eigenen Workshops (Kranzbinden, Floristik, Adventsmarkt am 3. Advent) und Kurse hinweisen (auch: www.martina-pausch.de). Geöffnet ist ansonsten von Mittwoch bis Freitag (9 - 12 und 14 - 18 Uhr) sowie samstags (9 - 13 Uhr). Sie gestaltet auch die Tische für Konfirmationen und Hochzeiten. Verbunden ist Martina mit zwei Baumschulen und zwei Staudengärtnereien. Sie hat auch Kontakt zu Christian Kress in Österreich (Firma Sarastro), am Inn, der ihr zum Beispiel seltene Flox mitgab. "So ein Austausch passiert oft. Das gibt immer neue Inspirationen."

15 Jahre lang ging Martina auch in Kunden-Gärten und beriet beim Anlegen. Aber jetzt lässt sie sich am Smartphone Bilder der Kundengärten zeigen oder Skizzen, und erzählt dann: Zu jeder Staude und zu jedem Heilkraut weiß sie etwas. Wir hörten so vieles beim Durchlaufen: Guter Heinrich und grüne oder rote Melde (Spinat-Ersatz), kleine Binsenlilie (blüht blau), kleine Teppichkamille, Storchenschnabel "Ballerina", Katzenminze Sibirica und Poseideon (beide duften sehr), Steinquendel ("meine liebste Pflanze; sie blüht ab September"), Herzgespann (alte Heilpflanze, gute Blüten, ein Hummelmagnet), echter Eibisch (rosa Kelche), Trippmadam (die Spitzen schmecken gut im Salat), rote Schafgarbe (hält die Farbe, gut für Kränze), Kandelaber-Ehrenpreis (blüht weiß, oder rosa oder blau), kleiner Ziest (gut für Bienenhügel), Knautia (Acker-Witwenblume, langblühend), Elfenblume (ein Überlebenskünstler), Rosenwaldmeister und Polsterglockenblume (ideal als Bodendecker auf Gräbern), Islandmohn (kurzlebig, schöne Blüte), gelber Scheinmond (robust), Trollblume (braucht feuchte, schattige Ecken), weiße Jakobsleiter (duftet), seltene Fingerhüte, Steppenkerze (hohes Schaugras), Sommerröschen, Zimbelkraut (blüht ewig lang).

Tipps gab es noch am Rand:
1. Haben Stockrosen einen Pilz, dann zurückschneiden oder mit Schachtelhalmbrühe besprühen.
2. Setzt man Stauden in Tröge, dann gut düngen (mit Brennnesseljauche) und nach zwei Jahren teilen und in den Garten setzen.
3. Will man eine Blütenfarbe lange halten, dann auf Sortenreinheit achten: die Samen nicht ausreifen lassen, sondern abzupfen.
4. Auf gute, torffreie Erde achten und wenig düngen (wenn, dann ökologisch. Marztina hat da ein Spezialprodukt).

Werfen Sie Samenbomben!

Die Engländerin Josie Jeffery schrieb das Buch „Wie Samenbomben die Welt verändern“ (Ulmer Verlag).

Samenbomben sind kleine Kugeln aus Erde und Ton und Samen, von Hand gedreht, die man auf Brachflächen oder unzugängliche hässliche Grundstücke werfen kann, um dort Blumen wachsen zu lassen.

Josie Jeffery wuchs als Tochter von Straßenmusikanten auf, die mit ihren fünf Kindern in Europa von Festival zu Festival zogen oder bei einem Zirkus blieben. Aber in Suffolk/England gab es eine Farm, um sich immer wieder zu erholen. Dort lernte Josie Jeffery die Initiative „Green Deserts“ kennen, die Wüsten mit Pflanzen beleben wollte.

1991 siedelte ihre Familie fest in Wales. Josie Jeffery studierte jetzt Kunst, zog 2003 nach Brighton und studierte noch einmal, diesmal Gartengestaltung. Im Radio hörte sie dann von Samenbomben und baute sie sofort in Workshops ein, die sie im Londoner „Museum für Gartengestaltung“ gab. Später gründete sie das Label „seedfreedom.net“.

Die Ursprünge der Samenbomben liegen in Japan, wo es so etwas seit Urzeiten gab, tsuchi dango genannt, Erdkloß. 1938 wurde dieses Verfahren durch Masanobu Fukuoka (1913 – 2008) bekannt, einen Mikrobiologen, Landwirt und Philosoph. Er schrieb „Rückkehr zur Natur – die Philosophie des natürlichen Anbaus“. Ihm ging es um Nachhaltigkeit, um ein Ackern ohne Umweltverschmutzung. Er sammelte Samen, um die Wüsten zu begrünen und seine Nachahmer belebten viel Brachland von Indien bis Südamerika.

1998 stiftete das griechische Ministerium der Bevölkerung von Arnissa einige Tonnen von Samen, um mit Samenbomben 10 000 Hektar zu begrünen.

Ein Jahr vorher hatte der israelische Flugzeugingenieur Moshe Alamaro die Idee, Kegel zu bauen, oben offen und mit Samen gefüllt, und sie über vom Krieg zerstörte Gebiete abzuwerfen. Die Kegelspitze steckte dann fest in der Erde.

Bekannt ist auch, dass ein Lokführer unterwegs die Samen von Fingerhüten aus dem Fenster warf, um den Bahndamm zu verschönern.

Möglich ist es auch, Samen und Erde mit einem kleinen Trichter in Latex-Luftballons zu füllen und steigen zu lassen. Auch Papiertüten eignen sich als Behälter und Wurfobjekt.

Das Ganze nennt man „Guerilla-Gardening“ (Guerilla = kleine Armee). Diese Bewegung entstand 1649 in England, als ein Gerrald Wistanley die Gruppe „True Leveller“ (Einebner) gründete. Sie besetzte Land und verteilte das angebaute Gemüse. Es waren Agrarkommunisten mit radikaler protestantischer Haltung, die den Mensch und die Umwelt verbinden wollten. Aber zwei Jahre später wurde die Bewegung von Oliver Cromwell zerschlagen.

1973 erwachte sie wieder, als die Künstlerin Liz Christie in New York ein Stück Brachland vom Müll reinigte und als Nachbarschaftsgartren anbot („Green Guerilla“). Ein Jahr später konnte die Gruppe das Gelände pachten, 2002 wurde es zum „Bowery Houston Community Farm and Garden“.

Die Amerikaner feiern sowieso immer am 11. März einen Pionier des „freien Gärtnerns“, nämlich John Chapman (1774 – 1845), der immer Apfelkerne pflanzte, wenn er unterwegs war. 15 000 Obstbäume in Ohio, Illinois und Indiana führt man auf „John Appleseed“ zurück.

2007 kam es in Österreich zu Aktionen (Wuchermensch, Rollrasenaktion), nachzulesen in „guerillagaerten.com“.

2008 folgte in Glasgow eine Initiative, um Gehsteige mit Blumen zu verschönern und Bienen Nahrung zu geben (glasgowguerillagardening.org.uk).

2009 trat in Colchester/England der „Strauchmann“ auf, gekleidet in Blätter und Moos, und pflanzte Blumen, um gegen den Plan der Stadt zu protestieren, jedes fünfte öffentliche Beet aufzulösen. Danach wurde dieser Plan gestrichen.

In Deutschland sind in München und Berlin „Gartenpiraten“ aktiv.

Um eine Samenbombe zu machen, mischt man 5 Teile Erde mit 4 Teilen Tonpulver, fügt einen Teil Samen dazu und etwas Chilipulver gegen Schädlinge, eventuell auch etwas Flüssigdünger.

Josie Jeffery nennt am Ende ihres Buches Pflanzensamen , die man in die Kugel geben kann:

Um etwas für Bienen zu tun, sind es der rote Fingerhut, Rotklee, Oregano, Kornblume, Heil-Ziest und Flockenblume.

Für Schmetterlinge sind es roter Fingerhut, rote Lichtnelke, Margerite, Flockenblume, Wiesen Witwenblume und Kornrade. Für Vögel sind es Wiesen-Sauerampfer, Wiesen Witwenblume, Flockenblume, Herbst-Löwenzahn und wilde Karde.

Kamille wirft man z. B. am Besten im April/Mai und August/September, Mohn im März/April und September/Oktober, Kornrade im Mai und September, Lichtnelke immer, Heil-Ziest von März bis September und Oktober bis Februar, Kornblume von März bis Mai und im Herbst, Schlüsselblume im Juli, Ringelblume im März/April und den roten Fingerhut von Juni bis August.

Unser Klima kippt

Sehr gut war im März das Klima-Referat von Professor Dr. Christoph Thomas (Uni Bt.) vor dem Kreis-BN.
Der Mikro-Meteorologe (Kleinklima) betonte, dass die Jahre 2014 und 2015 die wärmsten seit 1850 waren. Regenfälle kommen nicht mehr kontinuierlich, sondern schubweise. Dies stört beim Säen: die Böden sind zu oft trocken.
Allgemein steigt auch die Temperatur, insgesamt um 1 Grad. Heuer war der Januar kälter als normal und der Februar zu warm. Die Monatswerte ändern sich also. Aber übers Jahr betrachtet bleibt trotzdem noch eine Temperatur-Konstante.

Schon vor 120 Jahren warnte der Wissenschaftler Svante Arhenius (Nobelpreisträger), dass eine Verdoppelung des Kohlendioxid-Ausstoßes eine Erwärmung um 4 Grad verursacht (Treibhauseffekt). Aber wir haben auf der Erde einen natürlich verursachten Treibhaus-Effekt, der 33 Grad herstellt. Ohne ihn hätten wir minus 18 Grad. Nur der vom Menschen dazu gemachte Effekt steigert jetzt alles um 1 Grad.
Seit 1850 stieg das Kohlendioxid um 40 % an, Methan um 250 % und Lachgas um 20 %. Die beiden letzteren Gase ändern das Klima am stärksten, weil z. B. ein Molekül von Methan 30 mal effektiver ist als ein Molekül von Kohlendioxid. Das Lachgas-Molekül ist sogar 300 Mal effektiver. Das jetzt verbotene Spraydosengas war 3000 Mal wirkungsvoller.
Lachgas entsteht in Kuhmägen, d. h. besonders in der Viehzucht Südamerikas. Außerdem durch Termiten, wenn sie ihre Hügel bauen und dabei verdauen.
Das Kohlendioxid stieg in den letzten 20 Jahren beängstigend an, wie die "Kieling-Kurve" zeigt.

Seit 1880 haben wir 1,1 Grad mehr Temperatur in Deutschland; haben 19 cm mehr Meereshöhe und den höchsten Kohlendioxid-Wert seit 800 000 Jahren - außerdem Extremregen.
Bis zum Jahr 2100 dürfte das Meer um 26 bis 82 cm steigen und die Erwärmung um 0,9 bis 5,4 Grad. Zwei Drittel des kritischen Kohlendioxid-Ausstoßes haben wir schon da; nur noch ein Drittel (1000 Gigatonnen) darf kommen. "Wir wissen das und bremsen nicht."
Weiter: Oft wird es in Wirklichkeit schlimmer, als die Wissenschaft vorhersagt.

Dr. Thomas ergänzte: Die größte Unbekannte bei der Klima-Entwicklung sind die Wolken. Sie sind noch unverstanden.

Für Oberfranken sagte er mehr Wärme und Trockenheit voraus. "Besonders das Frühjahr wird extrem trocken." Nötig wären jetzt Pflanzen, die diese Trockenheit aushalten, aber danach auch die Feuchte und Kälte. Die gibt es aber nicht. Die Folge sind Waldverlust und auch Waldbrände. Er riet zum Umstellen: weniger Fichten, mehr vielfältige Laubbäume. Aber mehr Bäumen zu pflanzen, bringt sehr wenig. Viel effektiver ist es, den Kohlendioxid-Ausstoß zu verringern.

Er schrieb seine Doktorarbeit über das Bäumesterben am Waldstein. Aber nachdem die Förster dort zweimal gekalkt hatten, erholten sich die Fichten innerhalb von 13 Jahren bestens. Das Klima war also nicht schuld.

Die Uni Bt hat mehrere Klima-Messstationen, davon die anerkannteste im Botanischen Garten. Mehr Stationen sind nötig: "Ein Kraftakt."
Gemessen wurde z. B. die frostfreie Periode des Jahres. Innerhalb von 15 Jahren stieg sie von 102 auf 130 Tage an. D. h. es wurde immer früher warm im Juni und im Herbst später kalt.

Dr. Thomas betonte weiter, wie wichtig Sonnenlicht in der Landschaft ist: "Es ist unsere einzige Energiequelle." Teert man jetzt Flächen schwarz zu, hat man keine grüne Wiese mehr, die aufnimmt und reflektiert. "Das ist das A & O."

Wesentlich ist weiter der Schutz von "atmosphärischen Flüssen" im Himmel, d. h. die Ströme des Kohlendioxids, die Photosynthese (Blattgrün macht Frischluft) müssen beachtet werden. Jeder tot gedüngte Acker stört. "Unser Ziel ist es, das Kreislaufdenken zu fördern."
Er will deshalb in Schulen gehen, und junge Leute wach machen.

"Früher brauchte eine kleine Klimaänderung 1000 Jahre. So schnell wie jetzt, in nur 200 Jahren, geschah es noch nie."
Weiter: "Wir stoßen alles ins Ungleichgewicht und lassen keine Gleichgewicht mehr zu."
Wenn man nicht in den nächsten drei Jahren handelt, kommen auf die Menschheit hohe Reparaturkosten zu.





Kontakt: Th. Knauber - E-Mail