"Bio" auf dem Fischl-Hof

Wir waren im April auch auf dem "Fischl-Hof" in Heroldsreuth - sensationell gut. Erst waren wir zu dritt und ich dachte: "Typisch - null Interesse...", aber dann doch zu neunt. Und jeder genoss es. Denn Markus Strobl, 49, ist ein immer lächelnder, jung gebliebener Mensch, der alle Probleme so eines Biohofs kurz ausdrücken kann, mit Humor. Und seine Frau Tanja, Kindergärtnerin und Erlebnis-Pädagogin, hebt das Ganze noch. Dazu kommen drei Kinder, wovon die beiden Jungs, um die 20, alles fest unterstützen.

250 Jahre sind die Strobls auf dem Hof. Die Mutter von Markus hätte diese kleine Landwirtschaft am liebsten früh aufgegeben, weil es zu viel Arbeit ist. Sein Vater fand sich 2015 langsam ins "bio" hinein, als Markus - gelernter Heizungsbauer und über Abendkurse zum Landwirt geworden - damit begann. Weil er die Nase voll hatte vom 5-maligen Spritzen des Raps. Seitdem sind die 40 ha Äcker und Wiesen bei "Naturland". Markus arbeitet aber hauptberuflich in Bindlach.

Tanja Strobl stellt Eier, Nudeln und Eierlikör aus eigener Herstellung zum Direktverkauf bereit. Und sie führt zahllose Schulklassen über den Hof. "Immer haben alle Kinder lachende Gesichter, wenn sie nach drei Stunden in den Bus steigen." Sie und Markus sehen da einen "Bildungsauftrag", um keine Großstadtkinder zu bekommen, die noch nie einen Wald gesehen haben. "Wir wollen dem mit kleinen Tropfen entgegenwirken."

Jetzt ist so ein Hof aber extrem viel Arbeit. Und braucht Investitionen. Es gibt Bauern, die Millionen als Kredit aufnehmen, nach außen einen top Hof haben und sich umbringen. Weil unvorhergesehen die Scheidung kam, oder die Eltern als Helfer ausfielen, oder die Marktpreise sanken. "Landwirte haben die höchste Selbstmordrate." - Markus Strobl investiert z. B. jetzt 400 000 Euro in ein Fahrsilo, einen Melkroboter (hinter Fensterglas als Attraktion für die Schulkinder) und einen Trockensteherstall. In 15 Jahren soll es abbezahlt sein. "Wenn ich 65 bin, will ich schuldenfrei dastehen. Es kann ja sein, dass meine Söhne plötzlich nicht mehr mitmachen können. Dann will ich keine Probleme haben."

Was er in Bindlach verdient, stopft momentan die Finanzlücken. "Das kann nicht so weitergehen." Darum stellt er gerade um: Weg von der Mutterkuh-Haltung ("ein Hobby") und hin zur Milchgewinnung. Denn der Milchverkauf deckt die Finanzlücken. D. h. das die Kälber weniger glücklich groß werden als bisher, weil sie nicht mehr ein halbes Jahr bei der Mutter sein dürfen. Sie würden zu viel wegtrinken.

Das nächste Standbein sind seit 2018 Legehennen. Heute gibt es zwei sauteure Hühnermobile auf dem Hof, voll elektrisch mit Tür-auf, Tür-zu. Trotzdem schlich sich einmal ein Fuchs hinein. Er blieb über Nacht und tötete bis auf zwei Hähne (die in den Eierkisten überlebten) 160 Hennen. Später waren einmal 70 Hennen tot. Seitdem gibt es rundum Elektrolitzen und Ultraschall-Abschreckung. "Reine Verzweiflungstat", sagt Markus Strobl. Weil es eventuell nicht hilft. Der Schaden damals: 8000 Euro.

Was aber gegen Habichte hilft, sind Krähen. Deshalb überlässt er ihnen gern ein paar nicht so schöne Eier, damit sie bleiben.

Die Eier werden weitum verkauft, bis nach Auerbach. Große Abnehmer sind das Gasthaus Peter, die Bäckerei Rippl, der Bioladen, Kaffeemeister, das Schullandheim in Pottenstein und vielleicht auch das Hotel Schwan dort. Die Strobls verzichten bewusst auf einen Hof-Automaten, weil sie die Kontakte mit den Kunden lieben. "Das sind so tolle Gespräche." Lustigerweise kommen diese Kunden bis aus Creußen, jedoch nicht von den direkten Nachbar-Weilern. Markus Strobl hörte dazu einmal ein tröstendes Wort eines Bauern: "Wo der Pfennig gestempelt wird, ist er nichts wert."

Die Hühner dürfen etwa 18 Monate leben. Dann lässt ihre Eierleistung nach und sie werden geschlachtet. Aus Cham kommt dafür eine mobile Metzgerei. Innerhalb von zwei Stunden ist alles vorbei. Eingefroren als Suppenhuhn, sind sie bei vielen Leuten begehrt.

Es ließe sich noch viel erzählen von diesem Nachmittag, z. B. von den Problemen, zusätzliche Äcker zu pachten (der Truppenübungsplatz und der Maisanbau für Biogasanlagen belegt viel Land). Von den Schwierigkeiten, welche die Bioverbände ihren Bauern machen. Von der neuen Weidepflicht, die zahllose Biobauern zurück zum Konventionellen zwang, weil ihnen das Land dafür fehlt. Vom niedrigen Milchpreis "wie vor 40 Jahren". Vom Aufwand, Enten und Gänse zu halten: Sie müssen bespaßt werden, sonst picken sie sich vor Langeweile die Federn raus - und verfallen in Kannibalismus, sobald sie einen Tropfen Blut vom andern geleckt haben.





Kontakt: Th. Knauber - E-Mail