Weltmacht "Ameisen"

Martina Diehm las in einer BN-Mail, dass Ameisen-Heger-innen gesucht werden und machte eine Fortbildung dazu. "Da hab ich gemerkt: Das ist genau meins." Jetzt kam sie mit mir zum Bauhof und erklärte den Stadtarbeitern, was sie tun können, wenn irgendwo ein zu schützendes Ameisennest auftaucht - z. B. vor dem roten Ärztehaus bei OBI oder vor dem Buchauer Friedhof. Und sie erläuterte uns Ende April im "Schlappn" Näheres dazu - also die ganze Welt der Ameisen. Acht Interessierte kamen.

Sie erfuhren: Das Umsiedeln eines störenden Nestes braucht eine amtliche Genehmigung. Es kann auch nur im Frühjahr geschehen, weil die Königin dann oben in der Nestkuppe sitzt (im Sommer ist es ihr zu warm und sie geht in die Erde). Ameisen sind nicht umsonst die "Polizei des Waldes", weil sie viel Abfall wegfressen. Aber sie werden auch selbst zu Tausenden gefressen, wenn ein Specht mal Lust auf ein Mittagessen hat.

Ameisen sind außerdem je nach Art sehr clevere Räuber. Sie dringen in Nachbarbauten ein und machen deren Bewohner zu Sklaven. Sie haben eine Vieh-Haltung (Läuse) und eine Pilzzucht. Sie haben kein Problem mit mehreren Königinnen pro Volk. Diese Königinnen sind quasi Lege-Maschinen (großes Hinterteil) mit wenig Hirn: Ihr Kopf ist klein.

Ameisen bilden Familienverbände. Es gibt sogar einen gigantischen Verband, der von Frankreich bis Portugal reicht, längs der Küste. Diese dominante Art wurde einst aus Amerika eingeschleppt, als man dort entladene Schiffe mit Erde auffüllte, für mehr Stabilität bei der Rückreise. Aber es kommt auch heute noch zu Transporten: Verkauft ein Baumarkt z. B. Olivenbäume aus Italien, im Topf, sind sicher italienische Ameisen dabei.

Martina Diehm bemüht sich jetzt, die Ameisen-Beauftragte für den Landkreis zu werden. Sie hat gute Chancen, weil Oberfranken so wenige Ameisen-Heger hat. In der Oberpfalz, wo sie ausgebildet wurde, ist das ganz anders: Da wimmelt es von Ameisen-Experten.

Es gibt gute Bücher über Ameisen (die unsere Welt regieren würden, wären wir nicht dazwischen gekommen - so klug sind sie), zum Beispiel von Christa Grätz "Die fabelhafte Welt der Ameisen" (sie ist eine professionelle Ameisen-Umsiedlerin). Oder das dicke super Buch von Hölldobler/Wilson "Auf den Spuren der Ameisen". Oder von Susanne Foitzik "Weltmacht auf sechs Beinen".

Wer sich eine kleine Lupe mit 20- oder 30-facher Vergrößerung kauft, erlebt Besonderes: Schaut man nämlich dann eine kleine Ameise an, wird einem bewusst, was für ein besonderes, lebendiges, denkendes Tier das ist.

Foto: Jr Satilite (Pexels)





Kontakt: Th. Knauber - E-Mail