Urige Natur auf Leonie

Bei unserem ersten Leonie-Besuch vor zwei Jahren kamen nur zwei Leute, dank Regen. Jetzt waren wir 15 bei Sonnenschein. Wolfgang Wiesent führte uns so gut: Er wohnt gleich daneben in Degelsdorf, erlebte als Kind den Aufstieg und Fall dieses Bergwerk-Geländes (es förderte nur 10 Jahre), und hatte sogar einen Bergmann als Vater.

Dieser Vater war 25 Jahre lang unter Tage, zuerst auf Maffei und dann hier. Er erlebte die Einstürze des Geländes, wenn sich die Bohrtrupps in 160 m Tiefe zurückzogen und sprengten. So kam er eines Abends heim und berichtete: "Heut´ haben wir vier Christbäume raus." Diese Tannen waren von oben nach unten durchgerauscht.

Der Vater war später, als Rentner, taub - wegen der Sprengungen. Er las den Leuten von den Lippen ab, was sie sagten.

Wolfgang Wiesent beschrieb uns, wie das Dorf Reichenbach gesprengt wurde, abgebrannt, und seine Bewohner 1,5 km nach Norden versetzt. Einige - z. B. die Familie Trenz - zog nach Nitzlbuch, andere - die Familie Treiber - nach Pottenstein. Sie machte da ein Café auf. Lustigerweise waren zwei kleine Jungs in unserer Gruppe, die aus Pottenstein kamen und von dieser Familie stammten.

W. Wiesent schilderte auch, wie die Straße durch Degelsdorf - vorher voll mit Verkehr und Panzern nach Grafenwöhr und Weiden - stillgelegt wurde. Wie der Bach versetzt wurde. Wie die Kältefirma Linde begann, das nasse Erdreich abzufrieren, um die Schächte bohren zu können.

Dann kam der erste Konkurs (Millionen der EU versandeten) und der zweite (Millionen Bayerns flossen her - und dann wohin?). Bis dahin waren "nur" 5,2 Millionen Tonnen Erz hochgeholt worden, 12 to pro Schicht. Für jede Tonne gab es Zusatzlohn. Dann fragte niemand mehr nach diesem guten Erz schwedischer Qualität, das 47 % Gehalt hatte. Bis heute lagern noch große Flöze in Stadtrichtung.

1995 übernahm der LBV (Vogel- und Naturschützer) die 87 Hektar und 1996 wurde daraus ein Naturschutzgebiet. Im Juni 2000 kamen die ersten Auerochsen, eine Nachzüchtung des Ur (Wappentier von Auerbach). Zwei Zoo-Experten in München und Berlin, die Brüder Heinz und Lutz Heck, hatten dafür alle möglichen Ochsentypen gemischt. Wildpferde folgten, Exmoor-Pferde, und heute galoppieren Quarterhorses herum, die größtenteils einer Tierärztin aus Vilseck gehören.

Wolfgang Wiesent musste nur kurz rufen, dann trottete die ganze Herde, alle Pferde und Rinder, heran. Er stellte uns auch den Zuchtstier vor, ein wuchtiges Tier namens "Amor". Er wurde aus der tieferen Oberpfalz geholt, hatte keine Ahnung von nichts (weder von Freiheit noch vom Decken), machte aber seinen Job bald gut. Um Inzucht zu vermeiden, muss er jedoch nach 5 Jahren ausgetauscht werden. Und es ist schwer, ihn weiter zu vermitteln. Es gibt keinen Markt dafür. Sein Vorgänger kam deshalb zum Leidwesen aller zum Metzger.

Aber die ganze Herde mit ihren 16 Kälbern aus dem Vorjahr kann nicht endlos wachsen. Im Schnitt werden deshalb jedes Jahr vier Tiere geschlachtet, möglichst schnell und stressfrei. Eine Metzgerei in Schmidtstadt übernimmt dann die Verarbeitung.

Die Naturschutzbehörde in Amberg lenkt ansonsten alles Naturschützerische. Sie sagt dem Team um Wolfgang Wiesent (6 - 10 Leute harter Kern, 30 weitere auf Zuruf), wo Schlehen raus müssen, wie der Küchenschellen-Hang gepflegt wird, welche Einsturztrichter wie zu behandeln sind.

Viele dieser Trichter enthalten Wasser. Aber es verfliegt im Sommer. W. Wiesent: "Nordbayern trocknet aus."

Er berichtete uns, welche seltene Kleintiere hier zu finden sind (z. B. die größte Laubfrosch-Population Bayerns; alle Sorten des Spechts), welche Insekten der Roten Liste, welche Vögel (Eisvogel und Rotmilan) und die Hufeisenfledermaus.

Wir erstiegen einen Aussichtsberg (die beiden erschöpften Jungs: "Wann lassen Sie da einen Lift anlegen?") und genossen den weiten Blick. Aber dieser Gipfel war schon mal 2,5 m höher. Er rutscht kontinuierlich ab. Die Leonie bewegt sich.

PS. Auf Leonie wurde ein sehr seltenes Mineral gefunden, nämlich Weinschenkit (ein wasserhaltiges Phosphat) - nur noch in Australien zu entdecken.

Wikipedia sagt dazu:

"Erstmals beschrieben wurde es 1865 von Arthur Herbert Church in Proben aus Cornwall, England, allerdings mit falscher chemischer Zusammensetzung. 1923 gab ihm Laubmann den Namen Weinschenkit. Später stellte man auf "Churchit" um. Am Mount Weld in Westaustralien tritt Churchit-(Y) auf. Auch die Eisenerzgruben Maffei I und II und Leonie in Auerbach in der Oberpfalz sind bekannte Fundstellen des Minerals."





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