Mit dem Förster im Wald

Bilder (tk):

1. Mit Lorenz (rechts) im Wald
2. Ein super Spechtbaum, extra stehen gelassen

Es war sehr schön. Ich dachte unterwegs im sonnigen Wald, dass es einer der besten BN-Termine ist. Das lag auch daran, dass 13 (!) Interessierte gekommen waren; und dass Lorenz Wurmthaler so ein herzlicher, fröhlicher Mann ist; und dass er zum Start gleich mal Kaffee und Muffins aus seinem Offroad-Truck zauberte.

Lorenz hatte das Thema "Der Förster - die Geißel des Waldes?" gewählt. Und sagte: Jeder Förster ist ein Überzeugungstäter. Keiner hat eine staatlich verordnete Geldgier im Kopf und fällt und fällt endlos Bäume. "Ich bin ein fanatischer Freund der Wälder. Was ich mache, hat alles einen Sinn."

1. Rückegassen werden oft kritisiert, weil sie alle 30 Meter in den Forst führen und die 20 to schweren Harvester den Boden plattfahren, obwohl sie acht breite Räder haben und auf einem Äste-Kissen rollen. Lorenz: Nur 11 % eines Hektars Wald werden so benutzt. Und es gibt danach für Jahre wieder Ruhe.

2. Es wird nicht zu viel gefällt. Alle 10 Jahre wird ein Revier begangen. Magnete im Boden führen zu Bäumen, deren Wuchs als Muster für den Hiebsatz gilt. Der Einschlag liegt immer unterhalb des Zuwachses. D. h. es wächst mehr nach als abtransportiert wird. - Unser bayr. Holz geht zu 70 % in die heimische Bau- und Möbelindustrie und zu 30 % in den Export: In umliegende EU-Länder, aber auch nach China und USA.

3. Veränderung fürs Klima: Die Förster sahen sich schon vor Jahren an der warmen Mosel um, welche Baumarten die neue Hitze vertragen. Momentan sind in Lorenz` Revier (von Gößweinstein bis Betzenstein) 23 Arten in der Naturverjüngung, davon 17 Laubbäume, der Rest Nadel. Gepflanzt werden Elsbeere, Esskastanien (sie sind ein Tipp von der Mosel), Weißtannen, Buchen und Pflaumeichen. Sollte das Klima um 2,5 % wärmer werden, setzt man auf Akazien, Zedern und die rumänische Weißtanne. - Unsere bisherigen Fichten-Platagen sollten schon früher abgelöst werden - vor allem durch die Esche. Aber das Eschensterben beendete das. Auch das Ulmensterben funkte herein und neu ein Tannenkäfer, gerade im Mistelgau entdeckt.

4. Die Jagd: Die Staatsförster jagen straffer als Privatwald-Jagdpächter. Das hilft den Bäumen, anzuwachsen. Lorenz tut es auch leid, wenn er im Winter bei minus 20 Grad auf dem Hochsitz hockt und noch 15 Rehe schießen muss, um seinen Plan zu erfüllen. Aber er tut es, um den Wald zu retten. - Er zeigte uns einen kahlen Borkenkäfer-Abhang, wo links nur zehn kümmerliche Bäume den Verbiss von Rehen überlebt hatten. Und rechts, auf gleicher Fläche - aber eingezäunt - seither ein überbordendes Baumdickicht entstand.

5. Besprüht ein Förster die Bäume grün, bleiben sie geschützt stehen, weil sie etwas Besonderes haben (eine Fichte z. B. Ameisen, eine Pappel ihre Löcher für Spechte). Sprüht er rot, muss der Baum gefällt werden - auch wenn er gesund ist: Das dient dem Holzverkauf und dem Gewinn von Licht für die anderen Stämme. Sprüht er weiß, kommt hier eine Rückegasse hin.

6. Bei seiner Ausbildung hörte Lorenz von einem erfahrenen Förster den Satz: "Ein Förster, der pflanzt, hat seinen Beruf verfehlt." D. h. er sollte besser dafür sorgen, dass die Samen der Altbäume auf gute Bodenbedingungen treffen. Darum erhält Lorenz z. B. eine krumme Buche. Sie wird die "Mama" vieler neuer Buchen um sich herum. Dafür macht er rundum frei. Es entsteht ein "Verjüngungskegel" mit dieser Mama in der Mitte. - Besser ist es, über Jahrzehnte einen Wald so zu verjüngen, als abzuholzen und neu zu pflanzen.

7. Tannen und Eichen bekämpfen sich. Also lernen, welche Bäume harmonisieren.

8. "Wer einen Eichelhäher schießt, dem gehört der Jagdschein entzogen." Weil der Eichelhäher so viele Samen austrägt.

9. Die Borkenkäfer-Welle ist vorbei. Keiner weiß, warum. Vor acht Jahren war der Höhepunkt. Vor zwei Jahren kam die Entspannung. Heuer hat Lorenz nur drei Käferbäume im Revier. - Er rechnete vor, was ein betroffener Waldbauer ausgeben musste: 3500 Pflanzen kaufen für 4000 Euro und 4000 Euro Lohn zahlen für Helfer (Altes wegräumen/neu anpflanzen). Und: um die Pflanzung einen Zaun ziehen (1 m = 10 Euro). - Die Borkenkäfer sorgten immerhin für viel Nachwuchs bei den Spechten. Neu im Revier ist ein Habicht.

10. Unter den Gästen unserer Waldwanderung war auch ein Jagdpächter, nämlich Otto Neuner aus Kirchenbirkig. Er macht etwas Seltenes: Er züchtet Rebhühner und setzt sie aus. Und er kauft Fasane und unterstützt ihre Brutstellen. Nur so aus Spaß - weil er morgens den Ruf dieser Vögel in seinem Wald hören möchte.

11. Die Wölfe sind nach Norden gezogen, vom Veld. Forst ins Creußener Gebiet. Sie haben immer leichtes Futter, weil das Rotwild so sehr vom amerikanischen Leberegel geschwächt ist. Dieser Egel hat eine Schnecke als Zwischenwirt, die in den Plecher Feuchtwiesen vorkommt. Und auch im Übungsplatz Grafenwöhr. Das Rotwild dort graste immer die Schießbahnen ab. Jetzt fällt es aus, wegen dieses Egel-Befalls. Und keiner traut sich zu mähen, weil niemand weiß, welche Munition im Boden steckt.





Kontakt: Th. Knauber - E-Mail