Sagen und Kräuter im Klumpertal

Wir hatten Ende Mai so ein Glück: Sehr schönes Wetter, so gute Wasserspiegelungen dank des Abendlichts, zwei Entenfamilien mit winzigen Jungen auf den Teichen, eine raketengleiche Wasseramsel mit ebenfalls Jungen (in einer Felslücke), und ein alter Gänsehirt mit seiner Schar junger Gänse wie im Bilderbuch.

Dazu Bettina, die uns die Frühlingsplatterbse erkärte (eßbar), das Habichtskraut, das Waldlaabkraut (ähnlich wie Waldmeister), das Klettenlaabkraut (für die Hautpflege und gegen Enzyme) sowie die Bachnelkenwurz (hilft bei Entzündungen).

Sie wies auch auf das "orientalische Zackenschötchen" hin, einen Neuling (= türkische Rauke; eigentlich von Sibirien bis Südosteuropa daheim), gut eßbar - es schmeckt wie Senf. Und wir bekamen den Frauenmantel erklärt, den Kinder früher zu Fronleichnam zu Kränzen flechten mussten, für die Mädchen beim Umzug.

Weil diese Pflanze ihren Wasserüberschuss nachts in ihr großes Blatt schwitzt, schnappten sich die früheren Alchimisten diesen "Tau" - weil es so reines Wasser ist. Gut für ihre Experimente. Seitdem heißt die Blume (ein Rosengewächs) auch "Alchemilla".

Wir sahen ebenso das Segge-Gras, dessen markgefüllte Blatthalme früher den Docht für Fettkerzen abgaben. Und Bettina erläuterte die Kohldistel mit ihren zwei Blattformen - auch essbar.

Sie erzählte zudem die Sage von den August-Raunächten, wo das Wilde Heer schon mal übt und Seelen von gerade Verstorbenen mit sich zieht. Und die Geschichte der dunkelhäutigen Frau, von einem hiesigen Kreuzritter aus dem Morgenland mitgebracht, die sich von einem hohen Fels im Klumpertal stürzte, als er zum zweiten Mal nach Jerusalem musste.

Dann unterhielten wir uns noch mit dem Gänsehirt, der vor einer Woche in Neunkirchen am Brand für 530 Euro junge Gänse gekauft hatte (eine kostet 14 Euro), die jetzt in dieser Mittelmühl-Idylle vor sich hin wuseln - bis das brutale Martini-Ende kommt. Dann bekommt er fürs Kilo 18 Euro. So ist das Idyll nur ein Idyll auf Zeit.





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